TAGGING

 
Quelle: „Soziale Bewegungen und Social Media“; ÖGB-Verlag 2011;  Seite 158
Das große Etikettieren: Kategorien, Labels und Tags

Ein Raum mit einem Bestand von zehntausenden Büchern ist schön, aber nicht
mehr als ein Lager. Der gleiche Raum und Buchbestand mit kategorisierten und
nach der Beschlagwortung sortierten Büchern ist sowohl schön als auch nützlich,
und wir sprechen nicht mehr von einem „Lager“, sondern von einer Bibliothek.
Der Beschlagwortungskatalog macht den Unterschied aus. Er macht aus einem Archiv
von Büchern ein Archiv des Wissens.
Im Internet sind es die sogenannten tags, die uns etwas Ordnung in die riesige Datenbank des World Wide Web bringen, das Suchen und Finden erleichtern sowie ein Gruppieren und Filtern ermöglichen.

Das Wort tags meint im Englischen kleine aufgeklebte Etiketten. Zu taggen bedeutet
im Netz daher, dass wir „Content“ mit Beschlagwortungskategorien etikettieren.
Dabei gibt es mehrere Arten von „Tags“: Geo-Tags für geografische Angaben,
Hashtags für das Filtern und Gruppieren von Tweets auf Twitter, Markierungen
von Personen auf Web 2.0 Plattformen, Labels für verschiedene AutorInnen auf
kollaborativen Arbeitsoberflächen, dann die Ordnung in unsere Blogs und bringenden Kategorien,
„Meta-Tags“, die Websites besser durch Suchmaschinen erfassbar machen sollen.

Das Besondere beim Etikettieren von Content im Web ist, dass diese Arbeit kaum von SpezialistInnen gemacht wird, wie das bei Bibliotheksbeständen der Fall wäre, sondern potenziell von uns allen im Netz.
Das große Etikettieren von Bildern, Blogeinträgen, Videos, Tweets, sozialen Lesezeichen, Favoriten etc. läuft selbstorganisiert ab und wird Social Tagging genannt.
Als Ausdruck der kollektiven Beschlagwortungsarbeit finden wir Tagclouds im Netz.
Diese Schlagwortwolken visualisieren am häufigsten benutzte tags und bieten gleichzeitig
die Option des Filterns von Content nach diesen Schlagworten an. Was im Netz bei Suchabfragen und Filteraktionen als Suchtreffer ausgewiesen wird, hängt daher zu einem wesentlichen Grad von der Beschlagwortung ab, die die NutzerInnen im Web vornehmen.